Berichte - Technik - Nissan Innenausbau

Innenausbau Nissan Patrol 260 lang zum Wohnmobil
 
Die Idee war ganz einfach. Unser 260er Patrol sollte nicht nur als Zugfahrzeug dienen, sondern auch für Touren genutzt werden. Die Anforderungen waren auch gleich klar definiert. Es sollten mindestens 5 der 7 eingetragenen Sitzplätze erhalten bleiben, die Liegefläche sollte ausreichend für 2 Erwachsene sein, der Kofferraum sollte weiterhin alltagstauglich nutzbar bleiben und natürlich mußte das ganze TÜV-gerecht eingetragen werden um die in den Genuß der billigen Versicherung für Wohnmobile zu kommen.
Links sollte eine Sitzkiste rein und rechts ein Schrank mit Tisch. Die Liegefläche wird durch die umgeklappte Rückbank in Verbindung mit einer einschiebbaren Bettplatte erreicht.
So weit, so gut. Die Idee wurde dem örtlichen TÜV vorgetragen und der Prüfer verlangte als erstes Stehhöhe, dieses Argument wurde durch die einfache Frage ob er denn in einem VW Camper stehen könnte entkräftigt. Wir einigten uns auf die Zulassung als "So.KFZ Wohnmobil zu Expeditionszwecken", ein wohl einmaliger Eintrag.
Nach dem OK des TÜV ging es ab in den Baumarkt zur Materialbeschaffung. Als Gerüst kamen Winkeleisen (5x5cm), wie sie für Kellerregale genutzt werden, gerade recht. Beim Holz fiel die Wahl auf Pappelsperrholz, das einen guten Kompromiß aus Gewicht und Preis bietet. Pappelsperrholz hat leider den Nachteil druckempfindlich zu sein, also haben wir das Holz kurzerhand mit Folie überzogen.
Zuhause angekommen wurde zuerst der Rahmen der linken Sitzkiste aus den Winkeleisen gefertigt. Die Breite der Kiste wurde auf 35cm festgelegt. Der Deckel ist mittels Scharnierband an der Fahrzeugseitenwand befestigt, hierzu wurde eine Holzlatte (5x5cm) hinter der Verkleidung befestigt um die Hohlräume zu versteifen. Die Höhe der Kiste entspricht der Höhe des Radkastens, damit liegt der Deckel auf dem Rahmen der Kiste und dem Radkasten auf. Verschraubt wurde die Kiste an den originalen Aufnahmepunkten der dritten Sitzreihe im Boden, dem Fahrzeugseitenteil, sowie dem Radkasten des linken Hinterrades. Als Verschluß wurde ein einfacher Kistenverschluß gewählt, dieser kann mit einem Sicherungssplint verschlossen werden um auf der Piste nicht aufzuspringen.
Der Schrank auf der rechten Seite wurde ebenfalls auf einem Rahmen aus Winkeleisen aufgebaut und geht über die gesamte Fahrzeuglänge, inklusive der Schräge hinab am rechten hinteren Klappsitz. In Höhe der Bettplatte wurde ein Zwischenboden eingezogen um den Schrank zweistöckig zu gestalten. Die Türen wurden als Klapptüren (nach unten klappend) ausgeführt. Im hinteren Teil des Schranks ist ein extra Fach für einen Wasserkanister eingearbeitet und ebenfalls mit einer Klappe versehen. Diese Klappe ist nach unten öffnend ausgeführt um zum einen als Standfläche für den Gaskocher zu dienen, zum anderen klappt sie selbständig zu wenn man sie vergißt und die Heckklappe schließt.
Der Schrank hat eine Länge von 1.20 Meter und eine Breite von 45cm und endet in der Höhe etwa in Mitte der Seitenscheibe um auch noch den Riegel der Schiebefenster erreichbar zu lassen.
Der Tisch ist als Schiebetisch ausgeführt und läuft auf Schubladenauszügen.
Die Bettplatte besteht aus einem 18mm starken Sperrholzbrett das mit Linoleum überzogen wurde. Zur Befestigung wurden am Schrank Regalwinkel aus Kunstoff verwendet. An der Sitzkiste wurden einfach Auflagen montiert. Das Brett ist im normalen Fahrbetrieb in die Winkel eingesetzt und hält bombenfest.
In Verbindung mit der nach vorne geklappten Rückbank erhält man nun eine ebene Liegefläche von 2x1 Meter.
 
Materialaufstellung
  • Pappelsperrholz in 4 Platten zu 1200x1000x10mm
  • Sperrholzplatte 1200x610x18mm (für Bettplatte)
  • Winkeleisen 50x50mm gelocht 6 Meter
  • Schloßschrauben M6 30mm und 50mm mit Muttern und Beilagscheiben
  • Spaxschrauben 20mm und 30mm
  • 4m² Linoleum als Fußbodenbelag
  • Aufbauscharniere
  • 1 Bandscharnier (Klavierscharnier) 1200mm
  • 2 Kistenverschlüsse
  • 3 Hebelverschlüsse
  • 2 Schubladenauszüge 400mm mit 20kg belastbar
Die Materialkosten betragen etwa 250 Euro, die Arbeitszeit etwa 40 Stunden oder mehr, je nach Schreinerfähigkeiten des Erbauers.
Unerläßlich für diesen Ausbau ist eine Stichsäge und eine Eisensäge/Winkelschleifer für den Rahmen.
Den originalen Teppich haben wir als Geräusch- und Thermoisolierung unter dem Linoleum belassen.
Dieser Ausbau kann natürlich mit veränderten Maßen auch in andere Fahrzeuge übernommen werden.
 

 
 
Text: Karsten Pries www.Offroad-Events.org
Fotos: Karsten Pries www.Offroad-Events.org

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